Hans Momme Petersen

Bio hat uns bewegt


Hans Momme Petersen ist Bio-Bauer und gehört zu den Gründern des Vereins "Ökologisch Wirtschaften!"

 

Du warst 1991 einer der ersten Bauern, die auf biologisch umgestellt haben. Warum?

 

Nach längeren Überlegungen, der Chemie ein Ende zu setzen, gaben schließlich zwei nicht überstandene Krebsleiden in meiner Familie den letzten Anstoß, umzustellen. Nachdem unser Nachbar einen Spritzunfall hatte, trafen er und andere Kollegen die gleiche Entscheidung.

 Ich habe meine Entscheidung nie bereut.

 

Wie haben die anderen Bauern reagiert?

 

Sie haben uns zwar anfangs für verrückt erklärt, gleichzeitig aber genau beobachtet, was auf unseren Höfen passiert. Ich konnte das verstehen, da auch ich von meiner konventionellen Ausbildung sehr geprägt war. Heute ist biologische Landwirtschaft für mich Aushängeschild für einen vernünftigen Umgang mit der Natur.

 

Warum hast Du den Ökoverein vor 20 Jahren mitgegründet? Hattest Du mit der Hofumstellung damals nicht genug zu tun?

 

Die Gründung des Ökovereins war für uns alle ein großer Aufbruch, der ein neues Gefühl von Gemeinschaft und Energie ausgelöst hat. Wir haben uns gern in der alten Schmiede getroffen und Pläne geschmiedet. Wenn wir da heraus kamen, konnte man das Land nicht mehr sehen, so haben unsere Köpfe gequalmt. Meine Frau Ute, die mich in dieser Zeit sehr unterstützt hat und ich haben die Herausforderung angenommen.

 

Es waren ja nicht nur Bauern im Verein, auch Lehrer, Fischer, Ärzte. Wie ging das unter einen Hut?

 

Das war nicht immer einfach. Die ersten Schwierigkeiten entstanden, als wir die Erzeugergemeinschaft gründeten, um auch die Direktvermarktung unserer Erzeugnisse selbst in die Hand zu nehmen. Wir Bauern haben uns anfangs gegen die "Einmischung" der Nicht-Landwirte gewehrt. Allein haben wir die Vermarktung jedoch auch nicht durchführen können.

 

Woran lag das?

 

Kein Vereinsmitglied wollte die Führung der Vermarktung für alle übernehmen, doch gleichzeitig wollte keiner geführt werden. Wir haben zum Beispiel bei der Milchverarbeitung gehofft, den logistischen Bereich des Vereins der Meierei übergeben zu können. Es traten jedoch einige Probleme auf, wodurch wir schließlich viel Lehrgeld bezahlt haben. Glücklicherweise ist jetzt die Gläserne Meierei eine neue Möglichkeit. Das scheint jetzt zu laufen..

 

Hat der Verein was falsch gemacht?

 

Am Anfang war vor allem Euphorie und Aufbruchstimmung. Dabei waren wir uns manchmal auch selbst genug. Vielleicht hat das Interessierte abgeschreckt. Wir hätten vielleicht ein besseres Schaufenster für die anderen sein sollen. Dadurch hätten wir sie wohl mehr zum Mitmachen motiviert. Außerdem hätten wir vielleicht auch unseren Geschäftsführern mehr zutrauen sollen, die manchmal weiter waren als wir.

 

Was würdest Du heute anders machen?

 

Eigentlich nichts. Ich gehe bald in Rente, bin froh, dass der Hof weiter biologisch bewirtschaftet wird und will selbst weiter Gemüse anbauen.

Was den Ökoverein angeht finde ich gut, dass wir das Energiekonzept auf den neusten Stand bringen. Da hat Uwe Kurzke eine Menge erreicht. Das Verhältnis zur Gemeindevertretung ist seit der letzten Wahl viel besser geworden, doch wir müssen unsere eigenen Werte weiterhin im Auge behalten.

 

Zum Beispiel?

 

Wir dürfen uns trotz aller Fortschritte in Landwirtschaft, Energie und Tourismus nichts vormachen. Zum Beispiel bei der Werbung. Die verkauft Pellworm als Ruhepol, was doch gar nicht stimmt. In der Hauptferienzeit herrscht wegen der Biogasanlage aber auch wegen der übrigen Landwirtschaft ein Verkehrsaufkommen, das nicht mehr feierlich ist. Ich finde es überhaupt einen Hohn der Schöpfung, Lebensmittel zu Energie zu vergasen. Das geht angesichts der Welternährungskrise in die falsche Richtung.

 

Hat Pellworm Zukunft?

 

Ich glaube schon. Wir haben gezeigt dass es geht, über den Tellerrand zu gucken und  Natur, Klimawandel und gesunde Ernährung in unser Wirtschaften einzubeziehen. Am Anfang haben sich alle gegen den Nationalpark gewehrt und wir haben mit Ökologisch Wirtschaften einen Ausweg gefunden. Wir lassen uns nicht länger von Stimmen verunsichern, die behaupten, ohne Chemie und Gentechnik ginge es nicht. Bio hat uns bewegt.