Ökologisch Wirtschaften scheint sich zu lohnen

Ingrid Iben-Schikotanz, Mitgründerin von Ökologisch Wirtschaften, ist heute Vorstandsmitglied, war für die Wählergemeinschaft in der Gemeindevertretung von 1992 bis 1994 und arbeitet als Bankangestellte bei der Volksbank-Raiffeisenbank eG Husum Gst. Pellworm.
Kann man mit ökologischem Wirtschaften Geld machen?
Als der Verein gegründet wurde, waren sich fast alle hier sicher, dass einer der auf ökologischen Landbau umstellt, höchstwahrscheinlich Haus und Hof riskiert. Das sehen die meisten Inselbewohner heute anders.
Heute ist es selbstverständlich, dass neben Landwirtschaft und Tourismus ein stabiles drittes Standbein entstanden ist. Die Wirtschaftskraft Pellworms ist durch den Windpark erheblich gestiegen.
Man sieht auch viele neue Solardächer auf der Insel.
Ja, auch da ist eine Menge Geld investiert worden und dank des Einspeisegesetzes sind die Gewinnmöglichkeiten sehr gut. All das war bei der Vereinsgründung noch überhaupt nicht absehbar. Wir haben in spannenden Zukunftsvisionen und Erwartungen gelebt, aber nicht damit argumentiert, dass es wirtschaftlich interessanter sein könnte, sich umweltfreundlich zu verhalten.
Haben sich die Visionen oder eher die Investitionen bezahlt gemacht?
Die Frage ist falsch gestellt. Die Anfangszeit war Motivation, wir wollten etwas ändern und bewegen. Das war gefühlsbetont, spannend, eine neue Idee von Gemeinschaft. Als es an konkrete Veränderungen ging durch Projekte, Programme wie LEADER und „Regionen-aktiv“, kam die Ernüchterung. Da wurde vielen klar, wie viel mehr notwendig ist, als sich im Verein einig zu sein. Die Kommunalpolitik auf der Insel war gegen uns. Die Ideen des Vereins wurden zwar zu Werbezwecken für den sanften Tourismus benutzt, aber der Verein selbst als politischen Gegner behandelt.
Sind die Ideen des Vereins heute in der Gemeindevertretung angekommen?
Die Gemeindevertretung ist heute anders aufgestellt als zu meiner Zeit. Ich vermute da herrscht jetzt eine ganz andere Stimmung als vor 20 Jahren. Da sind neue Leute, da sind auch Vereinsmitglieder drin, die sich nicht einschüchtern lassen. Damals war ich die jüngste Gemeindevertreterin und damals wurden junge Leute wenig angehört. Vielleicht war ich auch nicht laut genug, um gehört zu werden. Aber die Stimmung war eindeutig gegen jede Veränderung in Richtung mehr Ökologie. Das war wie ein rotes Handtuch. Heute ist es anders, das Energiekonzept ist ein zentrales Thema in der Gemeindepolitik. Es gibt einen Arbeitskreis zu diesem Konzept, quer durch alle Parteien, der konstruktiv arbeitet. Ich habe den Eindruck, die Politiker haben endlich begriffen, dass sich aus unserem Energiekonzept große Chancen für Pellworm ergeben.
Pellworm gilt unter Öko-Touristen als Tipp. Stützt das die Insel wirtschaftlich?
Ich glaube das hat sich „normalisiert“. Meine Gäste kommen wegen der Einzigartigkeit von Pellworm, und weil es hier relativ günstige Ferienquartiere gibt, nicht wegen der „grünen“ Insel. Als wir noch die Öko -Fahrradtour organisiert haben, und die Gäste auf die Höfe fuhren und das Solarfeld und die ersten Windmühlen die Attraktion waren, da war Pellworm für die Touristen die „Öko-Insel“. Da waren die Teilnehmer ganz begeistert von dem was sie sahen und hatten was gelernt.
Was ist verlorengegangen?
Irgendwie ist der Schwung raus aus der Bewegung. Wir brauchten erst die hitzige Debatte um den möglichen Bau eines neuen großen Schweinestalls, damit wir wieder über die Zusammenhänge von Landwirtschaft, Gülle, Luftverschmutzung und Erholungstourismus und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen diskutieren konnten. Da war plötzlich wieder Aufmerksamkeit und Aktivität da.
Hat sich außerhalb von Landwirtschaft und Energie etwas getan?
In den Supermärkten sind jetzt vermehrt Bioprodukte zu bekommen. Das führe ich eher auf den allgemeinen Trend zurück. Außerdem findet man ganz wenige Produkte von Pellworm unter den Bioprodukten. Ein wirtschaftlicher Zusammenhang ist da nicht entstanden. Die Biobauern vermarkten auch alle einzeln an ihre Abnehmer. Das ist wohl auch der Trend. Die Bauern bauen sich lieber ein drittes Standbein auf mit Solaranlagen auf dem Dach, oder mit Windenergie, als in die ökologische Landwirtschaft und in geschlossene Kreisläufe zu investieren. Das bringt vermeintlich eine schnellere und größere Rendite ein und möglicherweise eine zusätzliche Altersvorsorge.
Siehst Du für Eure Tochter eine Zukunft auf Pellworm?
Im Moment nicht. Ich glaube ihre Fähigkeiten in Mathe und im Künstlerischen wird sie erst einmal woanders entwickeln müssen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es im Ingenieurbereich und Umweltberufen, die vielleicht einmal auf Pellworm benötigt werden, doch noch irgendwann Aussichten, dass sie hier mal wieder herkommen will.