Anne Zetl

Anne Zetl

Gelungene Praxis: Wir brauchen mehr Beispiele wie Pellworm 

Anne Zetl ist zurzeit jüngstes Mitglied im Vorstand von Ökologisch Wirtschaften. Sie hat die Anfänge des Vereins als Kind auf dem Hof ihrer Eltern erlebt. Heute arbeitet sie in Hamburg bei der S.O.F. Save Our Future - Umweltstiftung in der Erwachsenenbildung.

 

Wie fühlt man sich so unter betagten Öko-Pionieren?

Gut, sonst wäre ich nicht dabei. Die Frage, ob der Verein altert hängt ja auch davon ab, wie die Stimmung ist. Ich fühle mich wohl im Vorstand und habe dort eine recht komfortable Rolle.

Ich habe nicht die Konflikte aus der Vergangenheit im Rucksack, wie die langjährigen Vorständler. Ich kann unbefangener an neue Ideen rangehen, und hab trotzdem die Erfahrung der anderen im Hintergrund.

 

Du verdienst Dein Geld in Hamburg. Kannst du Pellworm mit deiner jetzigen Arbeit verbinden?

Ich hab Umweltwissenschaften studiert, dann war ich in der Regionalentwicklung tätig. Ich wollte immer gerne Menschen für eine umweltbewusste Lebensweise gewinnen. In Hamburg arbeite ich bei der Save Our Future  - Umweltstiftung. Wir machen Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher aus Kindergärten, um damit die Kleinsten unserer Gesellschaft für einen nachhaltigen Lebensstil zu gewinnen. Überzeugen kann man die Leute nicht mit reiner Theorie. In den Kursen, die ich gebe, taucht Pellworm immer wieder als gutes Beispiel auf. Daran kann ich zeigen, das „anders leben“ möglich ist. Ich erzähle zum Beispiel von Umstellung auf Ökolandbau und habe dabei unseren Hof vor Augen. Oder ich rede über Energiesparen und erneuerbarer Energie, und kann auf die Entwicklungen auf Pellworm hinweisen. Das ist schon ein gutes Stück gelungene Praxis, die mir bei meiner Arbeit hilft, gut zu argumentieren.

 

Es gibt relativ wenig junge Vereinsmitglieder. Ist der Verein für junge Pellwormer uncool?

Ich bin ja nun nicht im Verein, weil ich das besonders „cool“ fände. Aber es sieht so aus, als sei das Thema „Ökologisch Wirtschaften“ für junge Pellwormer kein Thema, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Ich habe leider nur noch wenig Kontakt zu denen, die auf Pellworm ihre Existenz aufbauen. Aber ich glaube, wer sich entscheidet zu bleiben, sieht erstmal das Wirtschaftliche, also: wie kann ich meinen Unterhalt bestreiten. Ökologisch Wirtschaften ist da nicht der erste Gedanke. Wenn junge Leute Höfe übernehmen oder Handwerksbetriebe, dann brauchen die ganz schön Mut, da brauchen wir uns nichts vormachen. Ich bewundere so Leute wie Sönke Petersen, der die Landmaschinenwerkstatt als ganz junger Meister übernommen hat. Das war ziemlich mutig! Es ist einfach einiges schwieriger durch die Insellage. Auch durch die Kleinräumigkeit und das enge Miteinander der Insulaner. Wer also bleibt oder wiederkommt, muss sich durchbeißen.. Und da denken viele nicht in erster Linie daran, Umwelt und Soziales mit Wirtschaftlichem zu verbinden.

 

Du hast Dich im Verein für die Umsetzung von Cradle to Cradle eingesetzt. Was steckt hinter dem Zauberwort?

Ich kenne das Konzept von der Uni. Cradle to Cradle heißt von der Wiege zur Wiege, - also nicht von der Wiege bis zur Bahre.., - soll heißen, dass wir eine  Kreislaufwirtschaft brauchen, in der möglichst kein Abfall entsteht, sondern alles wiederverwendet wird. Das ist etwas anderes als Recycling, weil beim Recycling ein erheblicher Wert- und Energieverlust entsteht. Einige Inseln von Holland über Deutschland bis nach Dänemark wolle als „Cradle to Cradle Islands“ ausprobieren, wie man dieses Konzept praktisch umsetzen kann. Mir ist vor allem wichtig, dass wir uns nicht nur auf technische Lösungen beschränken... Die Veränderung fängt im Kopf an und in den kleinen Schritten im Alltag. Manche Leute glauben, das Elektroauto sei die Lösung. Ist es aber nicht. Auch Biogas und Agrarsprit allein nicht. Das muss zusammen passen und die Leute müssen Lust haben, ihr Verhalten zu ändern.

 

Du hast im Interview zwei Bilder gebraucht wie Dein Vater: "Die Veränderung fängt im Kopf an" und  „den Unterhalt bestreiten können". Was verbindet euch?

Gute Frage. Hab ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Ich glaube was uns verbindet ist, dass wir kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn uns etwas stört.  "Die Veränderung fängt im Kopf an" - das hat meine Eltern vor gut 20 Jahren bewegt, einen neuen Weg einzuschlagen. Darin steckt der Pioniergeist. Aber wie auch Papa sagte, das geht nur gut, wenn auch ein Gemeinschaftsgeist dahintersteht, dass man sich sicher fühlt und nicht an den Rand gedrängt, wenn man etwas anders macht. So habt ihr das wohl im Verein erlebt und das passiert bei jeder großen Veränderung, die man sich vornimmt, bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft, dem Bau von Windmühlen, oder einem völlig neuen Verkehrskonzept. Unsere Inselgemeinde ist klein. Das verbindet die Menschen, hat aber auch seine Tücken. Ich glaube, die große Chance der kleinen Insel ist es, mutige innovative Ideen einfach auszuprobieren. Für mich ist Pellworm deshalb ein lebendiges Beispiel für die Anstrengungen, nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.